„Wasser ist ein Allheilmittel“

Ihre Passion ist es, Menschen das Element Wasser lieben zu lehren. Und hier in Wien hat sie sich gerade eben ihren Traum verwirklicht: Ein einzigartiges Kaffeehaus und Verkaufslokal, ein Lokal zum Entspannen und gleichzeitig neues Zentrum für ihren Apnoe Tauchclub „Divestyle“.

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Das Lokal befindet sich in der Hütteldorfer Straße in Wien, schräg gegenüber der Stadthalle. Eine Gegend mit vielen Autos und manch geschlossenen Läden entlang der Straße. Umso größer der Kontrast, der sich hier plötzlich vor uns auftut: Eine mächtige Außenfassade mit riesigen Fenstern und einem kolossalen Schriftzug „Divestyle Lounge“. Auf einem Plakat daneben sieht man einen Freitaucher unter Wasser und den Schriftzug: „Spielerisch freitauchen lernen“.

Eröffnung der “Divestyle Lounge” am 28.3. ab 15 Uhr

Mehrere Passanten bleiben neben uns stehen und betrachten erstaunt das Lokal und die Informationen zur Eröffnung. Noch beeindruckender ist allerdings das Innere des Lokals: eine große, von Schilf überdachte Bar aus Holz, als wäre man an einer Strandbar.

Der rechte Teil des Lokals ist eine kleine Verkaufsfläche für Freitaucher-Ausrüstung: Masken, Flossen, Schnorchel, Bleigurte, Bojen und Ähnlichem. Der weitaus größte Teil ist ein gemütliches Kaffeehaus im Stil einer Lounge Bar. Attraktion sind die diversen Obst und Gemüse-Cocktails, die Henriette selbst aus frischem Obst presst. Diese springen dem Besucher gleich auf einer Tafel gegenüber des Eingangs ins Auge – kein Zufall. Hier sind viele liebevolle Details versteckt, die das Lokal gemütlich machen, aber auch kommerziell Sinn ergeben.

Henriette kümmert sich sehr um das gemütliche Ambiente, ZB kleine Wandmalereien, die Bambus-Verschalung unter der Schank, oder das selbstgebaute Regal mit den blauen Brettern. Den köstlichen Kaffee bekommt sie von einer kleinen Rösterei in St. Pölten. Man merkt sofort das Motto: Aus wenig viel machen .. mit großer Liebe zum Detail.

Gabriel: Wie ist das mit deinem Tauchclub entstanden?

Henriette: Ich war zuerst in einem anderen Club aktiv, hatte aber ganz unterschiedliche Vorstellungen über das Freitauchen. Ich wollte einen Verein, der wie eine Familie ist und das gesamte Spektrum des Apnoetauchens abdeckt, also nicht nur Wettkämpfe organisiert. ZB gemeinsames Training, Reisen, Vorträge, Diskussionsabende, Partys, Schnorcheltouren durch die Donauauen, Charity Wettkämpfe und so weiter. Das gab es damals noch nicht. Und heute biete ich all`  das den Leuten für 45 Euro im Jahr, und der Club hat bereits 86 Mitglieder, Tendenz steigend.

Ich kann mich erinnern dass du das Tauchen schon immer geliebt hast. Aber während unserer gemeinsamen Zeit hast Du diesen tollen Erfolg noch nicht gehabt. Wer bist du geworden, was hat sich verändert?

Irgendwann dachte ich: man hat nur ein Leben und das ist kurz. Und man soll die Zeit nicht verplempern, sondern Dinge tun, die man wirklich liebt. Egal ob man dabei wenig oder viel verdient. Also habe ich losgelegt.

Man hat als Mensch ja nur maximal 70 bis 80 Jahre zur Verfügung. Zuerst bist du ein Kind und zu jung, dann bist du zu alt. Es bleiben vielleicht nur 30 bis 40 Jahre für deinen Traum, und die gehen so schnell vorbei.

Ich liebe es einfach, vielen Menschen den Spass im und unterwasser Wasser beizubringen. Das ist meine Bestimmung seit 15 Jahren. Wasser ist ein Allheilmittel. Wenn der Körper ganz eingetaucht ist im Wasser, dann passiert etwas Großes. Nicht nur medizinische Phänomene zeigen das, wie ZB Herz-Verlangsamung oder Bloodshift bei extremem Druck, das wir von den Meeressäugern übernommen haben und welche von der Forschung erst vor Kurzem ernsthaft untersucht werden.

Ich sehe auch, dass alle Menschen unter Wasser ihre Masken ablegen müssen. Es gibt kein Theater mehr, kein Schauspiel, alles wird echt. Über Wasser kann man dem anderen sehr viel vorspielen, unter Wasser aber geht das nicht, da sind wir alle gleich und miteinander verbunden.

Wie hilft das Freitauchen den Menschen?

Man hört wieder viel mehr auf sein Inneres. Man konzentriert sich mehr auf sich selbst und wird bewusster, man lebt bewusster. Freitauchen kann auch zu einer eigenen Lebensphilosophie werden. Ein Extrembeispiel war eine meiner Kunden, die ihr Leben nach dem Tauchkurs komplett verändert hat. Sie hatte ursprünglich Angst vor dem Wasser. Aber nach dem Kurs hat sie ihren Bürojob aufgegeben und ist nach Mauritius ausgewandert um eine Tauchschule zu gründen. Solche Nachrichten sind für mich schöner und wichtiger als das Geld.

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Was ist für Dich wichtig beim Unterrichten?

Für mich ist wichtig dass man andere Menschen genau so ernst nimmt wie sich selbst. Und das ist glaube ich am Schwierigsten. Man sollte immer Fragen stellen und sich für das Gegenüber interessieren. Früher war mir das eher egal, ich hatte ziemliche Scheuklappen und war sehr egoistisch. Ein positives Vorbild für den Umgang miteinander war dabei auch mein jetziger Partner: ich habe beobachtet wie er mit anderen Menschen umgeht, mit viel Respekt, viel Zuhören usw. , das hat mich beeindruckt. Auch wenn er manchmal meiner Ansicht nach zuviel für andere tut und zu gutmütig ist (lacht), aber ich konnte trotzdem sehr viel von ihm lernen und bin ihm sehr dankbar.

Das verwundert mich, denn du bist eigentlich sehr geschickt darin Deals mit anderen zu machen.

Ja, aber das sind eher kleinere Geschichten, ZB der Baumeister in meinem Lokal. Wir haben zuerst rein geschäftlich verhandelt, im Laufe der Zeit wurde es aber fast eine Freundschaft. Ich habe ihn weiter empfohlen, und ihm Flossen geschenkt für sich und seine Freundin. Man muss sich hineinversetzen in die Leute, und ihnen etwas Gutes tun. Das kommt ohnehin immer zurück.

Auf der anderen Seite kann man für Kunden aber nicht immer alles gratis machen, sonst hat es für sie auch keinen Wert. Ich verlange sogar beim Schnuppertauchen zumindest eine freie Spende, was für die meisten Tauchschulen eher ungewöhnlich ist, da man oft von ,,Gratis Schnuppertauchen“ hört und liest. Aber man nimmt sich schließlich Zeit, fährt extra ins Bad usw., da empfinde ich es als normal dass die Schüler etwas hergeben. Es kommen sonst auch die falschen Leute, die immer etwas kostenlos haben wollen und sich für die Sache selber gar nicht interessieren. Diejenigen die Geld zahlen, sind wirklich neugierig, interessiert und wollen etwas lernen.

Wie war es denn am Anfang?

Die ersten Jahre waren sehr schwer, wie du ja selbst weißt. Man muss sich zuerst einen Kundenstock aufbauen. Aber ich merke in den letzten 3-4 Jahren ganz deutlich, dass sich Kundenfreundlichkeit, Herzlichkeit, Qualität und Authentizität und extrem ausgezahlt heben – auch wenn es oft schwierig war. Die meisten Kunden kommen jetzt durch Empfehlung von anderen, nur mehr wenige durch die Webseite. Das war am Anfang anders.

Wie machst Du Marketing für den Verein und Deine Kurse?

Ich mache schon ein wenig Marketing, aber ich habe nie viel Geld dafür ausgegeben. Ein bissl Flyer und Folder, das genügt mir. Keinerlei bezahlte Online-Werbung und schon gar nicht bezahlte ,,Gefällt Mir“-Klicks auf Facebook! (lacht). Ich versuche es lieber effizient zu machen. Zuviel Marketing wird meiner Meinung nach überbewertet. Für mich zählt das eigene Tun, und das „Wie?“ dabei. Wenn die Leute zufrieden sind, dann wird man automatisch weiterempfohlen.

Wie ist das dann mit dem Club Divestyle gelaufen?

Vom Divestyle Club war ich von Anfang an zu Hundert Prozent überzeugt. Ich wusste dass die Freitaucher-Community so etwas braucht. Trotzdem waren viele zu Beginn skeptisch. „Man braucht keinen zweiten Verein in Österreich, es gibt ohnehin so wenig Freitaucher“ war die Meinung der meisten anderen. Es ist wirklich wichtig, auf sein inneres Gefühl zu hören – das wovon man wirklich überzeugt ist. Und das dann auch durchzuziehen! Nicht nur im Konjunktiv und nur mit guten Ideen, sondern wirklich handeln. Natürlich soll man sich andere Meinungen auch anhören: wenn oft bestimmte Gedanken auftauchen, dann wird schon ein Körnchen Wahrheit dabei sein. Aber letztlich zählt nur auf sein Herz zu hören und die Ideen auch wirklich umzusetzen.

Wie ist das mit deinen Träumen gewesen. Wie war der Weg vom Idealbild zur Realität?

Es ging langsam. Man spürt ja ob die Zeit reif ist und ob man selbst schon reif ist. Man darf sich selbst nicht belügen und muss ganz ehrlich sein. Wenn man spürt: ich habe noch Angst oder Zweifel, dann sollte man es lieber nicht machen, selbst wenn viel gesellschaftlicher Druck da ist. Es muss von tiefstem Herzen kommen. Und man darf die Arbeit dahinter auch nicht unterschätzen!

Ich habe zum Glück auch einen Partner der mich sehr unterstützt. Wenn er nicht gewesen wäre, hätte ich das Projekt erst viel später gemacht, und es hätte auch länger gedauert. Der Partner, die Freunde und die Familie sind extrem wichtig. Deshalb hängt im Lokal auch eine Divestyle Lounge Ehrentafel, wo alle Helfer verzeichnet werden. Sogar Lotte und Hans Hass sind Teil der Liste, weil sie mir viel Inspiration geschenkt haben. Und natürlich der unlängst verstorbene Norbert Heumayer, von dem ich viel über Kraft und Mut gelernt habe.

Du hast Hans und Lotte Hass ja persönlich gekannt.

Ja, vor allem Lotte hat mich sehr inspiriert. Damals war sie als Frau ganz alleine mit einer Gruppe von Männern auf dem Tauchschiff Xarifa am roten Meer. Das war für diese Zeit sehr ungewöhnlich. Sie war sehr mutig, herzlich und offen. Ich bin froh dass ich sie noch kennen lernen durfte. Sie hat auch ein Buch geschrieben, in dem man sehen kann dass sie ein sehr reiches und erfülltes Leben gelebt hat.

Hans Hass hatte immer strahlende Augen, wenn er von seinen Expeditionen erzählt hat. Sogar noch mit 92 Jahren. Man glaubt es kaum, mit 88 war er das letzte Mal tauchen.

Wie bist du denn auf das Lokal gekommen?

Ein eigenes Lokal zu haben war seit 15 Jahren in meinem Hinterkopf. Wie du weißt, habe ich früher in jungen Jahren im Gastgewerbe gearbeitet und  Erfahrung gesammelt. Ich kann ja auch nicht ewig selbst Tauchen unterrichten. Das Lokal gehört zu meinem Traum: ich will einfach wissen, was ich im Leben erreichen kann, da es ohnehin viel zu kurz ist. (lacht)

Wie ist es Dir gelungen, auch noch eine Förderung zu bekommen, und zusätzlich eine 80% Ausfall-Haftung für den Kredit?

Ich habe zunächst im Internet recherchiert und viel Zeit investiert, mir alles genau angeschaut. Dabei habe ich dann den Jungunternehmertag gefunden, und dort wurde ich durch die Wirtschaftskammer sehr gut beraten. Die WKO hat mich dann auch zukünftig immer unterstützt.

Dann habe ich den Mietvertrag unterschrieben, und ein Finanz-Coaching gemacht. Am Businessplan habe ich ca. 2 Monate lang gearbeitet, um den Kleinkredit, die Haftung und die Förderungen bekommen zu können. Aber vor Allem: selbst in den sehr schweren Zeiten habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, und wusste dass es klappen wird!

Du bist sehr sparsam mit Geld, aber hin und wieder gibst Du doch viel Geld aus .. Das Lokal ist jedenfalls überzeugend!

Ja, das habe ich mir genau so vorgestellt. (Sie lacht und mir fällt auf dass sie diesen Satz schon zum vierten Mal sagt) Es haben mir alle möglichen Leute versucht etwas einzureden, aber ich wollte es so haben und habe meinen Sturkopf durchgesetzt. Und jetzt gefällt es allen sehr gut.

Für die Dinge, wo ich überzeugt bin dass sie zum Wohlfühlen der Gäste beitragen, gebe ich schon eher mehr Geld aus, z.B. für Tischtücher, Bootsbank, Bootsregal, Bänke. Der Charakter des Lokals ist enorm wichtig. Man muss sich auch selbst wohl fühlen im Umfeld, in dem man arbeitet.

Auf der anderen Seite spare ich einfach überall, wo es möglich ist. Ich selbst möchte Anfangs das Lokal selbst schupfen, das kommt billiger als viel Geld für Mitarbeiter auszugeben. Man darf sich für nichts zu schade sein, auch nicht für das Putzen (lacht).

Mir ist aufgefallen dass du sehr selektiv ans Telefon gehst.

Ja das muss man – das habe ich erst vor Kurzem gelernt bzw. lernen müssen. Die Zeit für sich selbst muss man sich gut einteilen und man kann es auch nicht allen recht machen, sonst geht man Schlangenlinien und ist nicht authentisch. Und das spüren die Leute einfach. Je erfolgreicher man wird, um so mehr muss man ,,Nein“ sagen lernen.

Wie gehst du mit Neidern um?

Jemand der seinen Traum verwirklichen will wird immer mit Neidern in Berührung kommen. Üble Nachrede muss man einfach sein lassen und sich mit positiven Dingen beschäftigen. Neid sollte man ja eigentlich als Kompliment auffassen und sich nicht zu sehr damit beschäftigen. Wichtig ist, konsequent bei seinem eigenen Traum zu bleiben, aus Fehlern lernen und einfach weitermachen. Da gehört eine gewisse Disziplin dazu.

Wie schaffst du es diszipliniert für deinen Traum zu arbeiten?

Ich erinnere mich einfach an die vielen schönen Momente. Und für die ist es mir einfach wert, weiterzumachen. Diese Momente häufen sich in den letzten Jahren mehr und mehr. Der Verein bedeutet mir sehr viel. Jetzt ist es so wie ich es mir vor 10 Jahren gewünscht habe. Wir sind kein wirtschaftlicher Erfolg, aber eine Familie. Es ist ganz wichtig dass man nie größenwahnsinnig wird und immer offen bleibt. Es gibt bei uns kaum Selbstdarsteller, Wichtigtuer und Einzelkämpfer. Wir helfen uns unterstützen uns gegenseitig, darauf bin ich sehr stolz.

Ich bin auch sehr dankbar in Österreich leben zu dürfen und die Möglichkeit zu haben, diesen Traum umzusetzen. Das darf man nie vergessen, wenn man sich beklagt oder unglücklich ist. Man sollte sich andere Länder ansehen, dann weiß man wieder zu schätzen was wir selbst an Freiheiten und wirtschaftlichen Möglichkeiten haben. Es gibt viele Menschen die ständig eine Ausrede finden, ihren Traum nicht umzusetzen – dabei sollten wir dankbar sein für die unzähligen Möglichkeiten hier.

Danke für das Interview!

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