christian_MuellerChristian Müller ist ein Smartphone-Pionier der ersten Stunde und verzeichnet mit seiner App “My Days” schon über 12 Mio. Downloads.
Er ist verheiratet mit einer Ägypterin, hat eine kleine Tochter und reist viel mit seiner Familie.
Im Interview verrät er, wie er durch innere Bilder seine Zukunft mitgestaltet – und verrät einige Tips wie man ganz einfach in die Selbständigkeit starten kann.

Hier findest Du das vollständige Interview auf Youtube

Roland Kissling: Du bist ein sehr erfolgreicher Unternehmer im Internet und betreibst einige mobile Applikationen. Wie bist Du dazu gekommen, als Unternehmer selbständig tätig zu werden?

Christian Müller: Ich habe ungefähr mit 16 zu programmieren begonnen. Das lief einige Jahre ganz gut. Manchmal war ich selbständig, manchmal angestellt. Als Angestellter war es ein wenig schwierig, weil ich meine Kreativität nicht ganz so ausleben konnte. Ich wollte aber immer selbständig etwas machen. Ich war dann für 10 Jahre in Ägypten und habe dort viel experimentiert, vor allem mit Webseiten. Im Grunde habe ich aber immer darauf gewartet, dass die mobile Geschichte herauskommt. Als das passierte, habe ich mir sofort ein Android Gerät besorgt und eine erste Applikation erstellt. Dann war ich doch sehr überrascht, dass ich am nächsten Tag sofort 2.000 Downloads hatte. Mit meinen Homepages ging das bei weitem nicht so schnell.

In welchem Jahr war das?

2008, als das iPhone rauskam. Ich überlegte zunächst, welche App ich machen soll. Dann kam die Idee etwas für Frauen zu machen. Bei meiner Recherche traf ich auf eine Nokia-App für Frauen, wo man Eisprung und Periode beobachten kann. Da dachte ich mir: das ist eine gute Idee, das kann ich noch besser. Also habe ich das Programm erstellt und war damit der Erste am Android Markt. Sie kam dann auch sehr gut an, und ich habe sie bis heute weiter gepflegt, erweitert, später dann auch für das iPhone entwickelt.

Wie heißt die App genau und wie viele Downloads hat sie?

Sie heißt “MyDays” und hat derzeit rund 12 Mio. Downloads. Davon sind aber nicht mehr alle aktiv – aktive sind es ca. 3-4 Mio.

Wie wichtig ist das Feedback der Community für Dich?

Man muss auf die Leute hören und schauen was sie wollen. Viele Vorschläge sind dann auch für andere User nützlich und erhöhen den Wert der App. Man muss mit den Nutzern zusammenarbeiten, und hat dann so ein großes Team, selbst wenn man alleine entwickelt. Ich habe eigentlich immer so gearbeitet.

Deine Situation ist auch privat interessant. Du bist mit einer Ägypterin verheiratet, ihr habt ein kleines Baby zusammen und wohnt in München und Alexandria. Wie schaut dein Tagesablauf aus?

Aufstehen und ums Baby kümmern während meine Frau einen Sprachkurs macht. Dann mache ich Emails, Haushalt, habe derzeit eher weniger Zeit für Arbeit. Da geht mir die Familie vor, weil das auch die viel schönere Zeit ist. Zwischendurch ist dann aber immer wieder mal Gelegenheit für Updates oder Verbesserungen. Derzeit ist viel in Planung. Ich schreibe mir laufend neue Ideen auf und gehe die dann von Zeit zu Zeit durch.

Also eine sehr lockere Arbeitsweise.

Ich versuche es mehr aus einer kreativen Perspektive anzugehen, ich warte auf den richtigen Zeitpunkt. Ich habe einfach festgestellt: wenn ich mich zu etwas zwinge funktioniert das nicht. Ich lasse mich inspirieren, von der Familie, vom Kind. Und irgendwann kommt der Moment, und dann schaffe ich in einer Stunde mehr als ich vorher in 2 Wochen geschafft hätte.

Dein Lifestyle erinnert an die 4 Stunden Arbeitswoche von Timothy Ferriss.

Es gibt ja diverse Literatur zum Thema “Arbeite eine Stunde am Tag und mache damit das große Geld”. Das ist tatsächlich eine Möglichkeit, vielleicht nicht genau so wie man es sich vorstellt, aber es funktioniert tatsächlich, mit viel weniger Aufwand ein Maximum an Erfolg zu erreichen. Das wird dann für mich tatsächlich ein Lifestyle – was allerdings nur als Selbständiger möglich ist. Deshalb wollte ich auch immer selbständig sein um meine Träume zu realisieren. Und jetzt bin ich wirklich glücklich damit. Ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen.

Wenn jemand mit Mobile anfangen will als Selbständiger, welche Tipps könntest du geben?

Mach was du machst mit Liebe, mach es mit dem Herzen. Du musst es gern machen, weil dann machst du automatisch mehr. Wenn man das Fieber dafür hat, dann springt auch der Funke über. Letztendlich ist alles auch Verkaufen. Lebe begeistert und gewinne, das ist eine alte Geschichte.
Und wenn man merkt dass man an einen Punkt kommt wo es nicht mehr so gut geht sollte man nicht gleich aufgeben sondern immer noch ein bisschen mehr versuchen. Aber vielleicht auch sagen: pass auf, vielleicht ist es das doch nicht. Dann schalt mal komplett ab, mach Leere in deinem Kopf und sei offen für alles. Und dann kommt vielleicht wieder etwas anderes und das läuft dann geschmeidig. Dann kommt auch der Spass wieder. Das ist wie ein Kreislauf.

A propos Leere im Kopf. Ich weiß dass du früher spirituell sehr aktiv warst, viel meditiert hast. Machst du das immer noch als Grundlage für dein Leben und Business?

Zu sehen was Meditation wirklich ist, war mir eine der wertvollsten Lehren im Leben: nämlich einfach nur bewusst zu sein. Man kann auch bewusst Sport machen, oder am Klo sitzen. Egal was du machst, mach es bewusst. Dann bekommt es eine Weite, und die Dinge beginnen zu vibrieren. Da ist nicht mehr. Es geht nicht darum still da zu sitzen, die Welt auszublenden und komplett steif zu werden. Spirituell heisst für mich Selbstfindung. Sich selbst zu akzeptieren, festzustellen dass man Limits hat und Talente die man ausbauen kann. Es ist alles vorhanden. Nimm’s locker, aber sei auch fleißig. Auch Meditation und Gehirntraining haben etwas mit Training zu tun. An sich arbeiten, geistig zu fokussieren, das ist zunächst harte Arbeit. Aber dann ist es wie beim Skifahren. Man lernt Schwünge und mit Stöcken umzugehen, aber dann steht man nur oben und schaltet ab und es geht los. Nicht mehr denken, nur laufen lassen.

Hast du ein persönliches Ritual um dich auf den Tag einzustellen?

Ich bin Ritual-los. Wenn ich aufwache bin ich zunächst mal dankbar. Es gibt so viel dankbar zu sein. Man baut sich selbst auf, sieht Fortschritte und Möglichkeiten. Es kommt Lächeln ins Gesicht, und Freude. Aus dem entsteht dann viel. Dann auch wieder zu sagen: sei auch Erdgebunden, was kannst du umsetzen, wo sind deine Fähigkeiten und deine Arbeit. Was gefällt deinen Kunden, wo wären sie bereit dir etwas für deine Leistung zu geben. Was ist hilfreich, wo kannst du dich, deine Arbeit und dein Produkt weiter entwickeln?

Machst Du manchmal eine Planung für die nächsten 3-5 Jahre?

Ja durchaus. Ich bezeichne das als “produktives Träumen”. Ich frage mich: was wäre möglich? Das darf dann auch gerne etwas übertrieben sein. Das schreibe ich mir dann als kreativen Plan auf. Rückblickend gesehen hat das unglaublich gut geklappt, ich habe mich mehrmals selbst übertroffen. Oft habe ich zum jeweiligen Zeitpunkt noch keinen wirklichen Durchblick wie ich das umsetzen soll. Aber rückblickend gesehen kommt das dann aber von selber. Das ist eine Art Visualisierung, ein wenig träumerisch.

Stellst du dir da konkrete Bilder vor?

Ja genau das meine ich. Wenn jemand an etwas denkt ist es meistens ein Bild. Man kann sich auch das Rauschen der Berge vorstellen oder den Geruch der Berge. Man sollte es wie ein Kind machen. Ein Haus, eine Reise, eine Applikation. OK, wäre das cool? Einfach kurz wirklich hingucken. Und dann aufschrieben und von selbst laufen lassen. Die Idee macht man bewusst, der Rest läuft sehr viel unbewusst, wenn man das einmal eingesetzt und implantiert hat. Man muss lernen wieder loszulassen. Schau dir an was rund um dich ist, Frau und Kind, schönes Wetter. Schau auf das was vorhanden ist. Sei dankbar. Komm von Zeit zu Zeit zu dem Bild zurück, schau ob es noch gültig ist.

Glaubst du dass diese Bilder in deinem Lebensplan ohnehin schon drin sind und du schaust sie nur an und erlaubst sie? Oder sind das Sachen die du bewusst und nach belieben selbst in dein Leben ziehen kannst?

Ich denke man hat sehr viel Selbstverantwortung. Es gibt zwar Studien die das verneinen, wo man erkennt dass sich die Hand schon bewegt bevor das Gehirn das Signal dazu gibt. Kann ich nicht sagen. Ich weiß das ich träumen kann und dass ich das bin. Wenn ich mir etwas vornehme scheint das eine bewusste Entscheidung von mir zu sein.
Manchmal nimmt man sich etwas viel vor, z.B. die große Firma und das ganz große Geld. Aber man vergisst dann, dass man dann auch die ganz große Verantwortung hat und viele Dinge tun muss die man nicht will. Man sollte also immer schauen: was will ich? Und was bin ich bereit dafür zu geben? Ist das etwas wo auch andere davon profitieren? Das ganz Große ist irgendwie kein Ziel, das ist eher wie ein Lottogewinn. Es gibt so viel, wo man wirklich etwas konkret machen kann.

Wie war es als du noch angestellt warst – wie hast du innerlich den Sprung in die Selbständigkeit geschafft? Kannst Du dazu Tipps geben?

Wenn jemand selbständig sein will, trägt er den Gedanken schon immer in sich. Aber man weiß häufig nicht aus dem täglichen Leben auszubrechen. Man hat kaum Zeit sich richtig darauf vorzubereiten. Man weiß nur: ich will mehr Geld haben, und meine Zeit selbst einteilen können.
Man braucht eine gewisse Risikobereitschaft. Man verliert dadurch natürlich gewisse Sicherheiten, andererseits kann man in meinem Bereich auch viel nebenbei machen. So habe ich persönlich auch begonnen – während der Arbeit und am Abend immer wieder auch meine eigenen Ideen entwickelt und Tests gemacht.
Man muss einfach loslegen und nicht zu viel denken. Viele Leute verlaufen sich und denken nur. Das beste aber ist einfach nur anzufangen. Du willst programmieren? Super! Hol dir einen Laptop, schau was es an Möglichkeiten gibt, leg los. Es gibt z.B. eine Plattform für mobile Applikationen namens Corona – mit der kann man sehr einfach beginnen. Und das gilt auch für andere Bereiche.
Beginn mit Babyschritten. Dann kommt Erfahrung und Selbstbewusstsein dazu, und dann kommen die nächsten Schritte wie von selbst. Man sagt: “Wenn du ein Meister sein willst, musst du 10.000 Stunden arbeiten”. Da ist schon was dran. Man muss arbeiten, aber dann kommt auch der Erfolg. Man wird nie schlechter, immer nur besser.
Und man sollte nicht aufgeben. Du hast ein Ziel? Schreib dir deine Ziele auf, träum auch mal, das ist ganz wichtig. Aber verlier dich auch nicht, sondern versuch es umzusetzen. Lies was, Bücher sind gut, mach einen Kurs, und fang an.

Du hast sehr früh angefangen mit Deiner App. Mittlerweile ist die Branche sehr dicht besetzt, und viele Ideen sind bereits realisiert. Glaubst du, dass deine Erfolgsgeschichte als Ein-Mann-Show auch heute noch möglich wäre?

Mit Sicherheit ist Facebook und alles was es da schon gibt nicht das Ende der Fahnenstange. Es kommen immer neue Ideen und Apps nach. Man muss flexibel sein.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Wir wollen privat noch Reisen machen, ein Haus finden. Beruflich will ich gern erweitern, vielleicht auch etwas Neues finden. Wollte immer gerne einen “Träumerstammtisch” ins Leben rufen, wo Leute mit unterschiedlichen Ideen zusammen kommen können. Ich bin offen für alle Ideen.