Interview

“Ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen”

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christian_MuellerChristian Müller ist ein Smartphone-Pionier der ersten Stunde und verzeichnet mit seiner App “My Days” schon über 12 Mio. Downloads.
Er ist verheiratet mit einer Ägypterin, hat eine kleine Tochter und reist viel mit seiner Familie.
Im Interview verrät er, wie er durch innere Bilder seine Zukunft mitgestaltet – und verrät einige Tips wie man ganz einfach in die Selbständigkeit starten kann.

Hier findest Du das vollständige Interview auf Youtube

Roland Kissling: Du bist ein sehr erfolgreicher Unternehmer im Internet und betreibst einige mobile Applikationen. Wie bist Du dazu gekommen, als Unternehmer selbständig tätig zu werden?

Christian Müller: Ich habe ungefähr mit 16 zu programmieren begonnen. Das lief einige Jahre ganz gut. Manchmal war ich selbständig, manchmal angestellt. Als Angestellter war es ein wenig schwierig, weil ich meine Kreativität nicht ganz so ausleben konnte. Ich wollte aber immer selbständig etwas machen. Ich war dann für 10 Jahre in Ägypten und habe dort viel experimentiert, vor allem mit Webseiten. Im Grunde habe ich aber immer darauf gewartet, dass die mobile Geschichte herauskommt. Als das passierte, habe ich mir sofort ein Android Gerät besorgt und eine erste Applikation erstellt. Dann war ich doch sehr überrascht, dass ich am nächsten Tag sofort 2.000 Downloads hatte. Mit meinen Homepages ging das bei weitem nicht so schnell.

In welchem Jahr war das?

2008, als das iPhone rauskam. Ich überlegte zunächst, welche App ich machen soll. Dann kam die Idee etwas für Frauen zu machen. Bei meiner Recherche traf ich auf eine Nokia-App für Frauen, wo man Eisprung und Periode beobachten kann. Da dachte ich mir: das ist eine gute Idee, das kann ich noch besser. Also habe ich das Programm erstellt und war damit der Erste am Android Markt. Sie kam dann auch sehr gut an, und ich habe sie bis heute weiter gepflegt, erweitert, später dann auch für das iPhone entwickelt.

Wie heißt die App genau und wie viele Downloads hat sie?

Sie heißt “MyDays” und hat derzeit rund 12 Mio. Downloads. Davon sind aber nicht mehr alle aktiv – aktive sind es ca. 3-4 Mio.

Wie wichtig ist das Feedback der Community für Dich?

Man muss auf die Leute hören und schauen was sie wollen. Viele Vorschläge sind dann auch für andere User nützlich und erhöhen den Wert der App. Man muss mit den Nutzern zusammenarbeiten, und hat dann so ein großes Team, selbst wenn man alleine entwickelt. Ich habe eigentlich immer so gearbeitet.

Deine Situation ist auch privat interessant. Du bist mit einer Ägypterin verheiratet, ihr habt ein kleines Baby zusammen und wohnt in München und Alexandria. Wie schaut dein Tagesablauf aus?

Aufstehen und ums Baby kümmern während meine Frau einen Sprachkurs macht. Dann mache ich Emails, Haushalt, habe derzeit eher weniger Zeit für Arbeit. Da geht mir die Familie vor, weil das auch die viel schönere Zeit ist. Zwischendurch ist dann aber immer wieder mal Gelegenheit für Updates oder Verbesserungen. Derzeit ist viel in Planung. Ich schreibe mir laufend neue Ideen auf und gehe die dann von Zeit zu Zeit durch.

Also eine sehr lockere Arbeitsweise.

Ich versuche es mehr aus einer kreativen Perspektive anzugehen, ich warte auf den richtigen Zeitpunkt. Ich habe einfach festgestellt: wenn ich mich zu etwas zwinge funktioniert das nicht. Ich lasse mich inspirieren, von der Familie, vom Kind. Und irgendwann kommt der Moment, und dann schaffe ich in einer Stunde mehr als ich vorher in 2 Wochen geschafft hätte.

Dein Lifestyle erinnert an die 4 Stunden Arbeitswoche von Timothy Ferriss.

Es gibt ja diverse Literatur zum Thema “Arbeite eine Stunde am Tag und mache damit das große Geld”. Das ist tatsächlich eine Möglichkeit, vielleicht nicht genau so wie man es sich vorstellt, aber es funktioniert tatsächlich, mit viel weniger Aufwand ein Maximum an Erfolg zu erreichen. Das wird dann für mich tatsächlich ein Lifestyle – was allerdings nur als Selbständiger möglich ist. Deshalb wollte ich auch immer selbständig sein um meine Träume zu realisieren. Und jetzt bin ich wirklich glücklich damit. Ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen.

Wenn jemand mit Mobile anfangen will als Selbständiger, welche Tipps könntest du geben?

Mach was du machst mit Liebe, mach es mit dem Herzen. Du musst es gern machen, weil dann machst du automatisch mehr. Wenn man das Fieber dafür hat, dann springt auch der Funke über. Letztendlich ist alles auch Verkaufen. Lebe begeistert und gewinne, das ist eine alte Geschichte.
Und wenn man merkt dass man an einen Punkt kommt wo es nicht mehr so gut geht sollte man nicht gleich aufgeben sondern immer noch ein bisschen mehr versuchen. Aber vielleicht auch sagen: pass auf, vielleicht ist es das doch nicht. Dann schalt mal komplett ab, mach Leere in deinem Kopf und sei offen für alles. Und dann kommt vielleicht wieder etwas anderes und das läuft dann geschmeidig. Dann kommt auch der Spass wieder. Das ist wie ein Kreislauf.

A propos Leere im Kopf. Ich weiß dass du früher spirituell sehr aktiv warst, viel meditiert hast. Machst du das immer noch als Grundlage für dein Leben und Business?

Zu sehen was Meditation wirklich ist, war mir eine der wertvollsten Lehren im Leben: nämlich einfach nur bewusst zu sein. Man kann auch bewusst Sport machen, oder am Klo sitzen. Egal was du machst, mach es bewusst. Dann bekommt es eine Weite, und die Dinge beginnen zu vibrieren. Da ist nicht mehr. Es geht nicht darum still da zu sitzen, die Welt auszublenden und komplett steif zu werden. Spirituell heisst für mich Selbstfindung. Sich selbst zu akzeptieren, festzustellen dass man Limits hat und Talente die man ausbauen kann. Es ist alles vorhanden. Nimm’s locker, aber sei auch fleißig. Auch Meditation und Gehirntraining haben etwas mit Training zu tun. An sich arbeiten, geistig zu fokussieren, das ist zunächst harte Arbeit. Aber dann ist es wie beim Skifahren. Man lernt Schwünge und mit Stöcken umzugehen, aber dann steht man nur oben und schaltet ab und es geht los. Nicht mehr denken, nur laufen lassen.

Hast du ein persönliches Ritual um dich auf den Tag einzustellen?

Ich bin Ritual-los. Wenn ich aufwache bin ich zunächst mal dankbar. Es gibt so viel dankbar zu sein. Man baut sich selbst auf, sieht Fortschritte und Möglichkeiten. Es kommt Lächeln ins Gesicht, und Freude. Aus dem entsteht dann viel. Dann auch wieder zu sagen: sei auch Erdgebunden, was kannst du umsetzen, wo sind deine Fähigkeiten und deine Arbeit. Was gefällt deinen Kunden, wo wären sie bereit dir etwas für deine Leistung zu geben. Was ist hilfreich, wo kannst du dich, deine Arbeit und dein Produkt weiter entwickeln?

Machst Du manchmal eine Planung für die nächsten 3-5 Jahre?

Ja durchaus. Ich bezeichne das als “produktives Träumen”. Ich frage mich: was wäre möglich? Das darf dann auch gerne etwas übertrieben sein. Das schreibe ich mir dann als kreativen Plan auf. Rückblickend gesehen hat das unglaublich gut geklappt, ich habe mich mehrmals selbst übertroffen. Oft habe ich zum jeweiligen Zeitpunkt noch keinen wirklichen Durchblick wie ich das umsetzen soll. Aber rückblickend gesehen kommt das dann aber von selber. Das ist eine Art Visualisierung, ein wenig träumerisch.

Stellst du dir da konkrete Bilder vor?

Ja genau das meine ich. Wenn jemand an etwas denkt ist es meistens ein Bild. Man kann sich auch das Rauschen der Berge vorstellen oder den Geruch der Berge. Man sollte es wie ein Kind machen. Ein Haus, eine Reise, eine Applikation. OK, wäre das cool? Einfach kurz wirklich hingucken. Und dann aufschrieben und von selbst laufen lassen. Die Idee macht man bewusst, der Rest läuft sehr viel unbewusst, wenn man das einmal eingesetzt und implantiert hat. Man muss lernen wieder loszulassen. Schau dir an was rund um dich ist, Frau und Kind, schönes Wetter. Schau auf das was vorhanden ist. Sei dankbar. Komm von Zeit zu Zeit zu dem Bild zurück, schau ob es noch gültig ist.

Glaubst du dass diese Bilder in deinem Lebensplan ohnehin schon drin sind und du schaust sie nur an und erlaubst sie? Oder sind das Sachen die du bewusst und nach belieben selbst in dein Leben ziehen kannst?

Ich denke man hat sehr viel Selbstverantwortung. Es gibt zwar Studien die das verneinen, wo man erkennt dass sich die Hand schon bewegt bevor das Gehirn das Signal dazu gibt. Kann ich nicht sagen. Ich weiß das ich träumen kann und dass ich das bin. Wenn ich mir etwas vornehme scheint das eine bewusste Entscheidung von mir zu sein.
Manchmal nimmt man sich etwas viel vor, z.B. die große Firma und das ganz große Geld. Aber man vergisst dann, dass man dann auch die ganz große Verantwortung hat und viele Dinge tun muss die man nicht will. Man sollte also immer schauen: was will ich? Und was bin ich bereit dafür zu geben? Ist das etwas wo auch andere davon profitieren? Das ganz Große ist irgendwie kein Ziel, das ist eher wie ein Lottogewinn. Es gibt so viel, wo man wirklich etwas konkret machen kann.

Wie war es als du noch angestellt warst – wie hast du innerlich den Sprung in die Selbständigkeit geschafft? Kannst Du dazu Tipps geben?

Wenn jemand selbständig sein will, trägt er den Gedanken schon immer in sich. Aber man weiß häufig nicht aus dem täglichen Leben auszubrechen. Man hat kaum Zeit sich richtig darauf vorzubereiten. Man weiß nur: ich will mehr Geld haben, und meine Zeit selbst einteilen können.
Man braucht eine gewisse Risikobereitschaft. Man verliert dadurch natürlich gewisse Sicherheiten, andererseits kann man in meinem Bereich auch viel nebenbei machen. So habe ich persönlich auch begonnen – während der Arbeit und am Abend immer wieder auch meine eigenen Ideen entwickelt und Tests gemacht.
Man muss einfach loslegen und nicht zu viel denken. Viele Leute verlaufen sich und denken nur. Das beste aber ist einfach nur anzufangen. Du willst programmieren? Super! Hol dir einen Laptop, schau was es an Möglichkeiten gibt, leg los. Es gibt z.B. eine Plattform für mobile Applikationen namens Corona – mit der kann man sehr einfach beginnen. Und das gilt auch für andere Bereiche.
Beginn mit Babyschritten. Dann kommt Erfahrung und Selbstbewusstsein dazu, und dann kommen die nächsten Schritte wie von selbst. Man sagt: “Wenn du ein Meister sein willst, musst du 10.000 Stunden arbeiten”. Da ist schon was dran. Man muss arbeiten, aber dann kommt auch der Erfolg. Man wird nie schlechter, immer nur besser.
Und man sollte nicht aufgeben. Du hast ein Ziel? Schreib dir deine Ziele auf, träum auch mal, das ist ganz wichtig. Aber verlier dich auch nicht, sondern versuch es umzusetzen. Lies was, Bücher sind gut, mach einen Kurs, und fang an.

Du hast sehr früh angefangen mit Deiner App. Mittlerweile ist die Branche sehr dicht besetzt, und viele Ideen sind bereits realisiert. Glaubst du, dass deine Erfolgsgeschichte als Ein-Mann-Show auch heute noch möglich wäre?

Mit Sicherheit ist Facebook und alles was es da schon gibt nicht das Ende der Fahnenstange. Es kommen immer neue Ideen und Apps nach. Man muss flexibel sein.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Wir wollen privat noch Reisen machen, ein Haus finden. Beruflich will ich gern erweitern, vielleicht auch etwas Neues finden. Wollte immer gerne einen “Träumerstammtisch” ins Leben rufen, wo Leute mit unterschiedlichen Ideen zusammen kommen können. Ich bin offen für alle Ideen.

Ein Tag mit Henriette Kissling

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„Wasser ist ein Allheilmittel“

Ihre Passion ist es, Menschen das Element Wasser lieben zu lehren. Und hier in Wien hat sie sich gerade eben ihren Traum verwirklicht: Ein einzigartiges Kaffeehaus und Verkaufslokal, ein Lokal zum Entspannen und gleichzeitig neues Zentrum für ihren Apnoe Tauchclub „Divestyle“.

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Das Lokal befindet sich in der Hütteldorfer Straße in Wien, schräg gegenüber der Stadthalle. Eine Gegend mit vielen Autos und manch geschlossenen Läden entlang der Straße. Umso größer der Kontrast, der sich hier plötzlich vor uns auftut: Eine mächtige Außenfassade mit riesigen Fenstern und einem kolossalen Schriftzug „Divestyle Lounge“. Auf einem Plakat daneben sieht man einen Freitaucher unter Wasser und den Schriftzug: „Spielerisch freitauchen lernen“.

Eröffnung der “Divestyle Lounge” am 28.3. ab 15 Uhr

Mehrere Passanten bleiben neben uns stehen und betrachten erstaunt das Lokal und die Informationen zur Eröffnung. Noch beeindruckender ist allerdings das Innere des Lokals: eine große, von Schilf überdachte Bar aus Holz, als wäre man an einer Strandbar.

Der rechte Teil des Lokals ist eine kleine Verkaufsfläche für Freitaucher-Ausrüstung: Masken, Flossen, Schnorchel, Bleigurte, Bojen und Ähnlichem. Der weitaus größte Teil ist ein gemütliches Kaffeehaus im Stil einer Lounge Bar. Attraktion sind die diversen Obst und Gemüse-Cocktails, die Henriette selbst aus frischem Obst presst. Diese springen dem Besucher gleich auf einer Tafel gegenüber des Eingangs ins Auge – kein Zufall. Hier sind viele liebevolle Details versteckt, die das Lokal gemütlich machen, aber auch kommerziell Sinn ergeben.

Henriette kümmert sich sehr um das gemütliche Ambiente, ZB kleine Wandmalereien, die Bambus-Verschalung unter der Schank, oder das selbstgebaute Regal mit den blauen Brettern. Den köstlichen Kaffee bekommt sie von einer kleinen Rösterei in St. Pölten. Man merkt sofort das Motto: Aus wenig viel machen .. mit großer Liebe zum Detail.

Gabriel: Wie ist das mit deinem Tauchclub entstanden?

Henriette: Ich war zuerst in einem anderen Club aktiv, hatte aber ganz unterschiedliche Vorstellungen über das Freitauchen. Ich wollte einen Verein, der wie eine Familie ist und das gesamte Spektrum des Apnoetauchens abdeckt, also nicht nur Wettkämpfe organisiert. ZB gemeinsames Training, Reisen, Vorträge, Diskussionsabende, Partys, Schnorcheltouren durch die Donauauen, Charity Wettkämpfe und so weiter. Das gab es damals noch nicht. Und heute biete ich all`  das den Leuten für 45 Euro im Jahr, und der Club hat bereits 86 Mitglieder, Tendenz steigend.

Ich kann mich erinnern dass du das Tauchen schon immer geliebt hast. Aber während unserer gemeinsamen Zeit hast Du diesen tollen Erfolg noch nicht gehabt. Wer bist du geworden, was hat sich verändert?

Irgendwann dachte ich: man hat nur ein Leben und das ist kurz. Und man soll die Zeit nicht verplempern, sondern Dinge tun, die man wirklich liebt. Egal ob man dabei wenig oder viel verdient. Also habe ich losgelegt.

Man hat als Mensch ja nur maximal 70 bis 80 Jahre zur Verfügung. Zuerst bist du ein Kind und zu jung, dann bist du zu alt. Es bleiben vielleicht nur 30 bis 40 Jahre für deinen Traum, und die gehen so schnell vorbei.

Ich liebe es einfach, vielen Menschen den Spass im und unterwasser Wasser beizubringen. Das ist meine Bestimmung seit 15 Jahren. Wasser ist ein Allheilmittel. Wenn der Körper ganz eingetaucht ist im Wasser, dann passiert etwas Großes. Nicht nur medizinische Phänomene zeigen das, wie ZB Herz-Verlangsamung oder Bloodshift bei extremem Druck, das wir von den Meeressäugern übernommen haben und welche von der Forschung erst vor Kurzem ernsthaft untersucht werden.

Ich sehe auch, dass alle Menschen unter Wasser ihre Masken ablegen müssen. Es gibt kein Theater mehr, kein Schauspiel, alles wird echt. Über Wasser kann man dem anderen sehr viel vorspielen, unter Wasser aber geht das nicht, da sind wir alle gleich und miteinander verbunden.

Wie hilft das Freitauchen den Menschen?

Man hört wieder viel mehr auf sein Inneres. Man konzentriert sich mehr auf sich selbst und wird bewusster, man lebt bewusster. Freitauchen kann auch zu einer eigenen Lebensphilosophie werden. Ein Extrembeispiel war eine meiner Kunden, die ihr Leben nach dem Tauchkurs komplett verändert hat. Sie hatte ursprünglich Angst vor dem Wasser. Aber nach dem Kurs hat sie ihren Bürojob aufgegeben und ist nach Mauritius ausgewandert um eine Tauchschule zu gründen. Solche Nachrichten sind für mich schöner und wichtiger als das Geld.

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Was ist für Dich wichtig beim Unterrichten?

Für mich ist wichtig dass man andere Menschen genau so ernst nimmt wie sich selbst. Und das ist glaube ich am Schwierigsten. Man sollte immer Fragen stellen und sich für das Gegenüber interessieren. Früher war mir das eher egal, ich hatte ziemliche Scheuklappen und war sehr egoistisch. Ein positives Vorbild für den Umgang miteinander war dabei auch mein jetziger Partner: ich habe beobachtet wie er mit anderen Menschen umgeht, mit viel Respekt, viel Zuhören usw. , das hat mich beeindruckt. Auch wenn er manchmal meiner Ansicht nach zuviel für andere tut und zu gutmütig ist (lacht), aber ich konnte trotzdem sehr viel von ihm lernen und bin ihm sehr dankbar.

Das verwundert mich, denn du bist eigentlich sehr geschickt darin Deals mit anderen zu machen.

Ja, aber das sind eher kleinere Geschichten, ZB der Baumeister in meinem Lokal. Wir haben zuerst rein geschäftlich verhandelt, im Laufe der Zeit wurde es aber fast eine Freundschaft. Ich habe ihn weiter empfohlen, und ihm Flossen geschenkt für sich und seine Freundin. Man muss sich hineinversetzen in die Leute, und ihnen etwas Gutes tun. Das kommt ohnehin immer zurück.

Auf der anderen Seite kann man für Kunden aber nicht immer alles gratis machen, sonst hat es für sie auch keinen Wert. Ich verlange sogar beim Schnuppertauchen zumindest eine freie Spende, was für die meisten Tauchschulen eher ungewöhnlich ist, da man oft von ,,Gratis Schnuppertauchen“ hört und liest. Aber man nimmt sich schließlich Zeit, fährt extra ins Bad usw., da empfinde ich es als normal dass die Schüler etwas hergeben. Es kommen sonst auch die falschen Leute, die immer etwas kostenlos haben wollen und sich für die Sache selber gar nicht interessieren. Diejenigen die Geld zahlen, sind wirklich neugierig, interessiert und wollen etwas lernen.

Wie war es denn am Anfang?

Die ersten Jahre waren sehr schwer, wie du ja selbst weißt. Man muss sich zuerst einen Kundenstock aufbauen. Aber ich merke in den letzten 3-4 Jahren ganz deutlich, dass sich Kundenfreundlichkeit, Herzlichkeit, Qualität und Authentizität und extrem ausgezahlt heben – auch wenn es oft schwierig war. Die meisten Kunden kommen jetzt durch Empfehlung von anderen, nur mehr wenige durch die Webseite. Das war am Anfang anders.

Wie machst Du Marketing für den Verein und Deine Kurse?

Ich mache schon ein wenig Marketing, aber ich habe nie viel Geld dafür ausgegeben. Ein bissl Flyer und Folder, das genügt mir. Keinerlei bezahlte Online-Werbung und schon gar nicht bezahlte ,,Gefällt Mir“-Klicks auf Facebook! (lacht). Ich versuche es lieber effizient zu machen. Zuviel Marketing wird meiner Meinung nach überbewertet. Für mich zählt das eigene Tun, und das „Wie?“ dabei. Wenn die Leute zufrieden sind, dann wird man automatisch weiterempfohlen.

Wie ist das dann mit dem Club Divestyle gelaufen?

Vom Divestyle Club war ich von Anfang an zu Hundert Prozent überzeugt. Ich wusste dass die Freitaucher-Community so etwas braucht. Trotzdem waren viele zu Beginn skeptisch. „Man braucht keinen zweiten Verein in Österreich, es gibt ohnehin so wenig Freitaucher“ war die Meinung der meisten anderen. Es ist wirklich wichtig, auf sein inneres Gefühl zu hören – das wovon man wirklich überzeugt ist. Und das dann auch durchzuziehen! Nicht nur im Konjunktiv und nur mit guten Ideen, sondern wirklich handeln. Natürlich soll man sich andere Meinungen auch anhören: wenn oft bestimmte Gedanken auftauchen, dann wird schon ein Körnchen Wahrheit dabei sein. Aber letztlich zählt nur auf sein Herz zu hören und die Ideen auch wirklich umzusetzen.

Wie ist das mit deinen Träumen gewesen. Wie war der Weg vom Idealbild zur Realität?

Es ging langsam. Man spürt ja ob die Zeit reif ist und ob man selbst schon reif ist. Man darf sich selbst nicht belügen und muss ganz ehrlich sein. Wenn man spürt: ich habe noch Angst oder Zweifel, dann sollte man es lieber nicht machen, selbst wenn viel gesellschaftlicher Druck da ist. Es muss von tiefstem Herzen kommen. Und man darf die Arbeit dahinter auch nicht unterschätzen!

Ich habe zum Glück auch einen Partner der mich sehr unterstützt. Wenn er nicht gewesen wäre, hätte ich das Projekt erst viel später gemacht, und es hätte auch länger gedauert. Der Partner, die Freunde und die Familie sind extrem wichtig. Deshalb hängt im Lokal auch eine Divestyle Lounge Ehrentafel, wo alle Helfer verzeichnet werden. Sogar Lotte und Hans Hass sind Teil der Liste, weil sie mir viel Inspiration geschenkt haben. Und natürlich der unlängst verstorbene Norbert Heumayer, von dem ich viel über Kraft und Mut gelernt habe.

Du hast Hans und Lotte Hass ja persönlich gekannt.

Ja, vor allem Lotte hat mich sehr inspiriert. Damals war sie als Frau ganz alleine mit einer Gruppe von Männern auf dem Tauchschiff Xarifa am roten Meer. Das war für diese Zeit sehr ungewöhnlich. Sie war sehr mutig, herzlich und offen. Ich bin froh dass ich sie noch kennen lernen durfte. Sie hat auch ein Buch geschrieben, in dem man sehen kann dass sie ein sehr reiches und erfülltes Leben gelebt hat.

Hans Hass hatte immer strahlende Augen, wenn er von seinen Expeditionen erzählt hat. Sogar noch mit 92 Jahren. Man glaubt es kaum, mit 88 war er das letzte Mal tauchen.

Wie bist du denn auf das Lokal gekommen?

Ein eigenes Lokal zu haben war seit 15 Jahren in meinem Hinterkopf. Wie du weißt, habe ich früher in jungen Jahren im Gastgewerbe gearbeitet und  Erfahrung gesammelt. Ich kann ja auch nicht ewig selbst Tauchen unterrichten. Das Lokal gehört zu meinem Traum: ich will einfach wissen, was ich im Leben erreichen kann, da es ohnehin viel zu kurz ist. (lacht)

Wie ist es Dir gelungen, auch noch eine Förderung zu bekommen, und zusätzlich eine 80% Ausfall-Haftung für den Kredit?

Ich habe zunächst im Internet recherchiert und viel Zeit investiert, mir alles genau angeschaut. Dabei habe ich dann den Jungunternehmertag gefunden, und dort wurde ich durch die Wirtschaftskammer sehr gut beraten. Die WKO hat mich dann auch zukünftig immer unterstützt.

Dann habe ich den Mietvertrag unterschrieben, und ein Finanz-Coaching gemacht. Am Businessplan habe ich ca. 2 Monate lang gearbeitet, um den Kleinkredit, die Haftung und die Förderungen bekommen zu können. Aber vor Allem: selbst in den sehr schweren Zeiten habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, und wusste dass es klappen wird!

Du bist sehr sparsam mit Geld, aber hin und wieder gibst Du doch viel Geld aus .. Das Lokal ist jedenfalls überzeugend!

Ja, das habe ich mir genau so vorgestellt. (Sie lacht und mir fällt auf dass sie diesen Satz schon zum vierten Mal sagt) Es haben mir alle möglichen Leute versucht etwas einzureden, aber ich wollte es so haben und habe meinen Sturkopf durchgesetzt. Und jetzt gefällt es allen sehr gut.

Für die Dinge, wo ich überzeugt bin dass sie zum Wohlfühlen der Gäste beitragen, gebe ich schon eher mehr Geld aus, z.B. für Tischtücher, Bootsbank, Bootsregal, Bänke. Der Charakter des Lokals ist enorm wichtig. Man muss sich auch selbst wohl fühlen im Umfeld, in dem man arbeitet.

Auf der anderen Seite spare ich einfach überall, wo es möglich ist. Ich selbst möchte Anfangs das Lokal selbst schupfen, das kommt billiger als viel Geld für Mitarbeiter auszugeben. Man darf sich für nichts zu schade sein, auch nicht für das Putzen (lacht).

Mir ist aufgefallen dass du sehr selektiv ans Telefon gehst.

Ja das muss man – das habe ich erst vor Kurzem gelernt bzw. lernen müssen. Die Zeit für sich selbst muss man sich gut einteilen und man kann es auch nicht allen recht machen, sonst geht man Schlangenlinien und ist nicht authentisch. Und das spüren die Leute einfach. Je erfolgreicher man wird, um so mehr muss man ,,Nein“ sagen lernen.

Wie gehst du mit Neidern um?

Jemand der seinen Traum verwirklichen will wird immer mit Neidern in Berührung kommen. Üble Nachrede muss man einfach sein lassen und sich mit positiven Dingen beschäftigen. Neid sollte man ja eigentlich als Kompliment auffassen und sich nicht zu sehr damit beschäftigen. Wichtig ist, konsequent bei seinem eigenen Traum zu bleiben, aus Fehlern lernen und einfach weitermachen. Da gehört eine gewisse Disziplin dazu.

Wie schaffst du es diszipliniert für deinen Traum zu arbeiten?

Ich erinnere mich einfach an die vielen schönen Momente. Und für die ist es mir einfach wert, weiterzumachen. Diese Momente häufen sich in den letzten Jahren mehr und mehr. Der Verein bedeutet mir sehr viel. Jetzt ist es so wie ich es mir vor 10 Jahren gewünscht habe. Wir sind kein wirtschaftlicher Erfolg, aber eine Familie. Es ist ganz wichtig dass man nie größenwahnsinnig wird und immer offen bleibt. Es gibt bei uns kaum Selbstdarsteller, Wichtigtuer und Einzelkämpfer. Wir helfen uns unterstützen uns gegenseitig, darauf bin ich sehr stolz.

Ich bin auch sehr dankbar in Österreich leben zu dürfen und die Möglichkeit zu haben, diesen Traum umzusetzen. Das darf man nie vergessen, wenn man sich beklagt oder unglücklich ist. Man sollte sich andere Länder ansehen, dann weiß man wieder zu schätzen was wir selbst an Freiheiten und wirtschaftlichen Möglichkeiten haben. Es gibt viele Menschen die ständig eine Ausrede finden, ihren Traum nicht umzusetzen – dabei sollten wir dankbar sein für die unzähligen Möglichkeiten hier.

Danke für das Interview!

Peter Münster: Nur durch negative Erlebnisse Schritte nach vorne gemacht

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Peter Münster:  Tag und Nachtträumer

Peter Münster: Tag und Nachtträumer (Selbst Portrait)

 

Peter Münster ist einer der bekannten Österreichischen Maler. Er wurde für den Kitz Award nominiert, einige seiner Bilder werden demnächst in New York ausgestellt. Im Interview erzählt er über seine bewegte Vergangenheit: 20 Jahre Alkoholmissbrauch, dann Entzug, und noch einmal 10 Jahre Panik-Attacken, Tabletten, Psychotherapie.

Nach einem Gehirnschlag kommt er im Spital an einen Punkt wo er beschließt Panik und Angst hinter sich zu lassen und sich nur mehr auf Sport zu konzentrieren. Und seine große Gabe, die ihn während seines ganzen Lebens begleitete: Die Malerei.

In seinen Foto-realistischen Bildern verarbeitet er die tiefen inneren Erfahrungen auf symbolische Art und Weise. Der Prozess des Malens ist für ihn Meditation und Gedulds-Übung.

Er empfiehlt jungen Menschen ganz bei sich zu bleiben und an sich zu glauben, egal was geschieht. “Sobald du weißt dass es Sinn macht und Freude macht, schafft jeder einen Marathon”.

Malen und leben des Alltags sind für ihn jetzt seine wichtigsten Ziele.

Alle Infos über Peter und viele seiner Bilder findet ihr auf http://www.petermuenster.at

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