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Pythagoras wurde 570 v. Chr. auf Samos als Sohn eines Kaufmanns geboren. In seiner Jugend vom bekannten Staatsmann und Naturphilosophen Thales von Milet erzogen, ging er nach Ägypten, wo er zwei Jahrzehnte blieb und vermutlich alle Einweihungen durchschritt. Danach reiste er auch nach Babylonien, Persien und möglicherweise bis Indien. Nach seiner Rückkehr nach Samos wurde er zunächst Lehrer des Sohnes von Polykrates, dem damaligen Herrscher von Samos. Um das Jahr 530 v. Chr. wanderte Pythagoras nach Kroton aus und versammelte dort viele hundert Anhänger, die ihn schon zu Lebzeiten wie einen Gott verehrten.
Der von ihm gegründete Pythagoräische Bund ist eine Weisheitsschule, in der Wissenschaften, Philosophie und Religion gelehrt wurden. Pythagoras ließ als erster auch Frauen zu den Einweihungen zu. Er lehrte, dass die Zahl das Wesen aller Dinge ist, und Harmonie das Gesetz des Alls. Der Mensch ist ein Kind und Erbe der Gottheit. Seine Seele ist unvergänglich und wohnt nur auf Zeit im irdischen Körper, wo sie sich reinigt und vervollkommnet. Einziger Prüfstein für alles war für die Pythagoräer der Einklang ihres Wollens mit dem Göttlichen. Sie waren Meister der Kunst, sich von innen leiten zu lassen und waren sich jederzeit der Gegenwart des Daimons, des Genius, des inneren Helfers und Führers, bewusst. Sie verstanden es, ihr Herz von Kummer und Sorgen fernzuhalten, der Führung von innen zu vertrauen und, gleichmässig heiter und gelassen, stets ihres Einsseins mit dem Ewigen bewußt zu bleiben. Sie achteten auf Mäßigkeit und Natürlichkeit der Ernährung, und verzichteten auf Genussmittel und Fleisch.
Seine Schüler schrieben ihm eine große Ausstrahlung und bedeutende Fähigkeiten zu. So soll er den Lauf der Gestirne gehört und in Musik ausgedrückt haben. Abends reinigte er durch seine Musik den Geist seiner Schüler von den Erregungen des Tages und beruhigte den Strom ihrer Gedanken.
Obwohl Pythagoras in politischen Dingen den Weg der "Nicht-Einmischung" und des "Siegens durch Nicht-Widerstehen" ging, wurde sein Bund doch zu einem bedeutenden politischen Faktor. Als er um 509 v. Chr. die Aufnahme des Tyrannen Cylon verweigerte, hetzte dieser die Bevölkerung von Kroton gegen ihn auf, welche Versammlungshäuser und Wohnungen des Bundes zerstörte. Pythagoras verlegte daraufhin seine Schule nach Metapont, wo er noch 12 Jahre lang wirkte. Seine Schule bestand noch weitere hundert Jahre und hatte großen Einfluss auf die gesamte Geisteslandschaft des Altertums. Nicht nur Sokrates, Plotin, Augustinus und Paulus (um nur die bekanntesten zu nennen) waren mit seinen Lehren vertraut. Auch die Essener mit ihrem prominentesten Schüler Jesus Christus, sowie die Urchristen übernahmen Elemente der pythagoräischen Schule.
"Alle Wesen sind Gott-durchpulst, eins in Gott, weil eins mit Gott. Der Mensch [Anm: Mikrokosmus] ist, als Kleinbild des Alls [Anm: Makrokosmus], das Maß aller Dinge. Wenn er zur Selbst-Erkenntnis gelangt, erwacht er damit zum Bewußtsein des Alls und zur Erkenntnis seines Lenkers, der Gottheit."
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