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Sufismus

Im klassischen Sufismus geht es darum, ein hohes Maß an Konzentration und Klarheit zu erreichen, um dann mit dem Schöpfergott Allah zu verschmelzen. Dieser Zustand wird im Arabischen Fana genannt, zu Deutsch bedeutet dies so viel wie »Ent-Werdung«. Bei ihrer spirituellen Suche durchschreiten die Wandernden symbolisch eine Reihe von Orten (Makams), die sie nach und nach dem erstrebten Ziel näher bringen. Diese Makams sind von den klassischen Traditionen oftmals genau beschrieben worden. Reue (Tauba) kann so eine Station sein, aber auch Verzicht (Zuhd), Dankbarkeit (Shukr), Gleichmut (Sabr), Gottvertrauen (Tawwakul), Freude (Rida), Ehrfurcht (Khauf). Die höheren Stufen erreicht man mit dem Gefühl kosmischer Ausdehnung (Bast), mit Sammlung (Quabd), Erkenntnis (Arifa) und schließlich Entwerdung (Fana).

Erleuchtung ist nicht das Höchste
Die Entwerdung ist jedoch nicht der letzte, endgültige erreichbare Zustand. Noch höher zu bewerten ist die Beständigkeit (Baka), ein Stadium, in dem die Erleuchteten wieder in den Alltag zurückkehren und ihre Erfahrung dort umzusetzen versuchen. Auf dieser Stufe können Verwirklichte in ihrem kulturellen Umfeld als weise Lehrer und Ratgeber wirken, auf einer noch höheren geben sie ihr Wissen dann in anderen Ländern und kulturellen Regionen weiter. Noch weiter oberhalb ist der Erleuchtete sogar in der Lage, anderen Menschen in den geistigen Welten als Führer und Beschützer beizustehen.



Die Mitglieder anderer Orden, wie z. B. der in der ganzen islamischen Welt verbreiteten Gemeinschaften Rifai und Quadiri, geraten durch die Nennung bestimmter Namen Allahs und Gebetsformeln – verbunden mit einer bestimmten Atemtechnik – so in Ekstase, dass sie zu außergewöhnlichen Taten fähig werden. Sie fassen z. B. glühende Eisen oder giftige Schlan-gen und Skorpione an oder wälzen sich in Scherben. Weit verbreitet ist auch ein Tanz, bei dem die Teilnehmer, an den Armen miteinander verhakt, im Kreis stehen und ihre Oberkörper auf und ab werfen.

Schnelles, ekstatisches Atmen sowie das Brüllen der Silbe »Hu« (was dem arabischen Er, Gott, entspricht) sind weit verbreitete sufische Techniken. Ebenso das ekstatische Schreien und Toben in der zweiten Phase der Meditation und die Stop-Übung in Phase vier, bei der man für eine bestimmte Zeit in der Bewegung innehalten muss, um sich selbst zu beobachten. Die Stop-Übung lehrte im Übrigen auch schon Gurdjieff seine Schülern. Auch die Gibberish-Übung der Sannyasins ist sufischen Ursprungs. Dabei müssen die Schüler spontan und jenseits aller realen Alltagssprachen spontan unsinnige Wortfetzen plappern, um so an tiefere Muster der eigenen Psyche heranzukommen.

Zu den wichtigsten Elementen zahlreicher Sufi-Tarikas gehören dabei Musik und Tanz. Die Tänze sind oftmals rituell vorgegeben und werden von Generation zu
Generation weiter vermittelt. Im Westen bekannt sind vor allem die Drehtänze der Mevlevi-Derwische, die sich alljährlich am 17. Dezember anlässlich des Todestages ihres Ordensgründers Rumi bei dessen Grab im zentralanatolischen Konya treffen, um bis zu mehrere Stunden lang um ihre eigene Achse zu wirbeln.

Gesamter Artikel: Georges Shanteem





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