Alles in unserem Leben ist ein Spiegelbild unseres Selbst. Wir sehen wie wir drauf sind, und was wir über uns selbst fühlen und denken. Darüber hinaus gibt es aber auch einige sehr starke, große Spiegel – Dinge in unserer Erfahrung, die das Potenzial haben, uns weiter in die Tiefe zu führen. Ich will ein paar von Ihnen näher erkunden.

Nichts

Schließ die Augen und stell dir einen unendlich großen und leeren Raum vor. Das Nichts des Welt-alls ist der Spielgrund, der Raum in dem alle Form geboren wird.
So wie durch das unendliche, riesige Weltall die Sterne ihre Bahnen ziehen, durchdringt die Leere alle Form. Sie umgibt nicht nur die Sterne, sondern auch alle Atome und kleinsten Teilchen. So besteht jeder feste Stoff in Wahrheit zum allergrößten Teil aus Leere. Dieses Nichts, in der alle Formen auftauchen wie Schauspieler auf einer Bühne, ist der Urgrund aller Existenz.
Das Nichts ist aber nicht nur das Gegenteil von Form – Es ist das Bewusstsein selbst, und verbindet alles miteinander. Jede Form, erst recht jedes Lebewesen und jeder Mensch ist durch das Nichts miteinander verbunden und vereint. Die Leere, und die ihr innewohnende Stille ist unsere wahre Natur.
In ihr ist alle Freiheit begründet. Sie ist die Unendlichkeit in der alle Form autaucht, die Stille vor der sich alle Töne abspielen.

Herz

Der Herzschlag ist eine der ersten Empfindungen nach dem Eintritt in die physische Welt. Schon ab der 3. Woche nach der Empfängnis beginnt es zu schlagen. In allen Kulturen ist es das Sinnbild für Lebenskraft, Leidenschaft und Liebe. Es steht unermüdlich im Dienst des Lebens, kraftvoll und beständig pumpt es Blut durch unsere Adern.

Die Sinne

Das Fühlen beginnt ab der 5. Woche an den Lippen, in der 12 Woche können wir unseren ganzen Körper spüren: Berührung, Druck, Schmerz, Wärme und Kälte. Ab der 5. Woche pendeln wir leicht im Fruchtwasser hin und her. Ab der 18. Woche schmecken wir das Fruchtwasser. Ab dem 6. Monat hören wir, kurz später sehen wir, ab dem 7. Monat riechen wir.
Die Sinne sind nicht selbstverständlich – sie kommen langsam zu uns, wie Instrumente die wir nach und nach einschalten. Nur durch sie erfahren wir die Welt. Alles Wissen ist sekundäres Wissen und somit Glauben, solange wir es nicht direkt durch unsere Sinne erfahren haben. Auch in unseren Träumen stehen uns unsere Sinne manchmal zur Verfügung, wenn auch selektiver und sprunghafter.

Erde

Die Erde ist Spielball der Form. Sie stellt das physische Material bereit, das Potenzial für das gigantische Spiel das „Leben“ genannt wird. Ihre Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Aus ihr kann man Erde, Steine, Holz, Metall, und alle Arten von Elementen entnehmen, die sich in unendliche viele Formen bringen lassen. Trillionen von Lebensformen tummeln sich auf ihr, und bringen die bizarrsten Ausprägungen hervor. Die Pflanzen ernähren Tiere, das Kommen und Vergehen nährt einen unendlichen Kreislauf in dem jeder nehmen kann was er braucht.
Die Erde ist so groß dass niemand sie in einem Leben abgehen kann. Ihre Plätze sind so schön und vielfältig, dass man sich niemals daran sattsehen kann. Sie ist rund, was bedeutet dass man immer wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren kann.
Der Geist kann auf ihr spielen, und jede Form annehmen die er sich nur vorstellen kann. Er kann bauen oder zerstören, wachsen lassen oder verbrennen. Die Erde ist der Ton, mit dem wir uns ausdrücken und erleben können.

Meer & Wasser

Das Meer weist uns auf unsere eigentliche Natur hin, die endlos weit, tief und über die Flüsse mit allem verbunden ist. Deshalb schauen die Menschen so gerne auf das Meer hinaus.

Sein Wasser ist eine einzige riesige Form, gibt sogar unserem Planeten seine blaue Farbe; ist aber noch weitgehend formlos – lediglich an der Oberfläche kann man ein paar Wellen und Gischtfetzen sehen.
Wasser ist nachgiebig und sehr aufnahmebereit. Es kann Salz lösen, oder auch schlimmste Verunreinigungen mitnehmen. Es kann auch seine Form ändern, durch die Luft in den Himmel fliegen und als Regen wieder herunterkommen. Es ist flexibel, hingebungsvoll und der perfekte Diener.

Himmel

In ähnlicher Weise wie das Meer ist uns auch der Himmel ein Spiegel. Er ist Ausdruck unseres Geistes. In ihm können Gedanken wie Wolken umhertreiben, sich sogar zusammenrotten und ein dunkles, undurchsichtiges Grau erzeugen aus dem Wasser hervorbricht. Oder aber er ist frei, eine blitzblaue riesige Fläche vor der Unendlichkeit dessen was wir wirklich sind – in dem nur die Sonne ihre Bahn zieht, oder aber die Sterne sichtbar werden.
Doch selbst wenn der Himmel für lange Zeit von Wolken und undurchdringlichem Grau bedeckt ist: wir wissen dass dahinter immer die Sonne scheint. Ebenso ist es mit unserer Erleuchtung: Selbst wenn wir uns mit den Wolken identifizieren, und für lange Zeit in Blitzen und Stürmen leben, so ist doch immer davor und dahinter stets die Schönheit und Klarheit des Alls und die Leidenschaft und Wärme der Sonne, lediglich unbemerkt.

Zeit

Alles Leben, jeder Ausdruck von Form kommt und geht. Der kleinste Ausdruck daraus ist das Wechselspiel von Tag und Nacht, das im Lauf der Monate zu Jahreszeiten wird. Die Sonne kommt, es wird hell und warm. Und dann geht sie unter und Dunkelheit und Kühle brechen heran – und am Himmel werden die Sterne sichtbar.
Ohne die Zeit könnten wir uns nicht erkennen. Unsere zeitlose Natur in dem ewig andauernden einzigen Moment kann sich nur im Werden und Vergehen erkennen, und dazu braucht es Zeit und Erinnerung. Vergangenheit und Zukunft existieren ausschließlich in unseren Gedanken und Vor-Stellungen. Real ist lediglich die Ewigkeit des JETZT, der eine unendliche Moment.

Sonne

Die Sonne ist Ausdruck unserer Liebe, Leidenschaft und Begeisterung. Sie ist nicht immer sichtbar in ihrem Ausdruck, aber doch immer vorhanden. Jeden Morgen geht sie von neuem auf. So wie unser Herz unseren Körper mit Blut versorgt, versorgt die Sonne alles Leben auf der Erde mit Wärme und Energie, zuverlässlich und kraftvoll.

Einschlafen

Am Ende jedes Tages legen wir uns nieder und schlafen ein. Unser Körper ruht, unser Geist aber bleibt wach und träumt. Er wechselt in eine andere Wahrnehmungsebene, in der die sinnliche Wahrnehmung erhalten bleibt, aber Formen und Szenarien sich noch schneller und radikaler verändern. Wenn wir einen Tisch im Traum angreifen, fühlt er sich an wie ein Tisch. Aber im nächsten Moment zerbröselt er vielleicht und uns bleibt der Atem weg, weil wir in ein Loch fallen.
Allerdings unterscheidet sich der Traum nicht grundlegend vom wachen Alltagsbewusstsein. Auch in unserem gewöhnlichen Leben kommen und gehen die Formen szenenhaft – sie haben lediglich ein bisschen mehr Konsistenz. Darauf weist uns der Spiegel des Traumes hin.

Erwachen

Jeden Tag erwachen wir von neuem, und nehmen erneut Besitz von unserem Körper. Im Schlaf hatten wir eine andere Art von Körper, ein leichterer, schnellerer, veränderbarer, unzerstörbarer. Aber jeden Morgen kehren wir in den selben Körper zurück, den wir am Abend zuvor verlassen haben. Das Erwachen ist wie eine Geburt in immer den selben Körper. Somit ist das Erwachen auch ein Spiegel für unsere beständige Geburt in der Form.
Sprituelles Erwachen bedeutet, sich vollkommen bewusst zu werden, dass unsere wahre Natur formloses Bewusstsein ist, das sich in permanent wechselnden Erfahrungen wiederfindet. Sozusagen das Bewusst werden des Bewusst Seins. Wir erwachen in eine neue, sich ständig verändernde Welt, sind aber immer noch das selbe Bewusstsein das zuvor in einer der vielen Traum-Welten war.

Tod

Das Einschlafen und Träumen bereitet uns langsam auf den Moment des Todes vor, in dem wir dauerhaft aus dieser Welt „entschlafen“. Und ebenso wie unser Geist im Schlaf nicht verloren geht, wird er auch im Tod nur in eine neue Erfahrungswelt eintauchen.
Der Tod ist unser Bruder, unser wichtigster Helfer. Er ist stark, unbezwingbar und vollkommen gewiss. Durch seine Endgültigkeit und Unerbitterlichkeit gibt er dem Leben erst seinen großen Wert. Er ist das Tor, durch das wir nicht sehen können.

Spiegel

Der Spiegel ist Instrument der Erkenntnis. Durch ihn können wir Dinge an uns wahrnehmen, die wir mit unseren Augen sonst nicht hätten sehen können, zB unser Gesicht. Durch ihn erhalten wir eine neue Perspektive auf uns selbst. Wir können sehen, ob wir müde sind, oder traurig. Er ist hundert prozentig wahrhaftig und belügt uns niemals.
Ein Spiegel kann aber unterschiedlich rein sein. Manchmal hat er blinde oder taube Flecken, dann können wir dort nicht genau sehen.
Auch unser ganzes Leben ist ein Spiegel, durch das wir auf uns selbst sehen können. Niemand würde auf einen Spiegel wütend sein, nur weil uns das Spiegelbild nicht gefällt. Wir akzeptieren, dass ein Spiegel nur ein Mittel ist, mehr zu sehen. Ebenso können wir erkennen, dass unser Leben auch nur ein Instrument der Erkenntnis und Sammeln von Erfahrungen ist.