Liebe/r Leser/in,

wie lange hast du noch zu leben?

Zieh dein Lebensalter von der durchschnittlichen Lebenserwartung von 86 Jahren (Frau) oder 79 Jahren (Mann) ab, und du hast ein ungefähres Ergebnis.

Voila.

 loewen_sarg

Ganz ehrlich, wie wirst du die Jahre bis dahin verbringen?

Wirst du dem Tod ins Auge sehen und sagen:

 

“Hier bin ich, ich bin bereit wie immer.

Ich habe mein Leben aus vollen Zügen genossen.

Ich habe geliebt, gelitten, gestritten.

Habe Menschen zum Lachen gebracht mit meinen dummen Späßen

und bin täglich über meinen Schatten gesprungen.

Habe meinen Feinden verziehen

und meine Freunde stets umarmt als wäre es das letzte Mal.

Bin durch Flüsse geschwommen und tief ins Meer getaucht.

Habe Bäume umarmt, die Erde und das Gras am Rücken gespürt

und die Sterne über mir leuchten sehen.

Bin in der Sonne gelegen und habe Fremden geholfen.

Noch habe ich das Lachen der Kinder im Ohr,

und das Flüstern meines Partners.

Bruder Tod, ich bin mit Staunen über die Erde gewandelt.

Was in mir ist habe ich nach Außen gekehrt

und in die Welt gebracht.

Es ist nichts übrig in mir, alles ist ergossen,

dankend zurück in die Weltenseele.

Komm, brenn mir die DVD-Highlights meines Lebens,

ich kehre zurück.

 

Oder wirst du zum Tod sagen:

verschone mich Herr, ich bin noch nicht bereit !

Spürst du, dass es tief in dir noch etwas gibt dass hinaus will in die Welt?

Jeder Mensch ist ein High Potential. Jeder Mensch hat in sich alle Fähigkeiten um ein außergewöhnliches Leben zu leben. Um einen Unterschied für andere zu machen.

Selbst dann, wenn das vielleicht “nur” die eigenen Kinder sind. Oder “nur” ein paar Hundert Menschen in denen du die Liebe zum Tauchen entfesselst, so wie meine Ex-Frau – die du hier auf Solnet in einem Interview lesen und sehen kannst.

Oder denen du konkreten Nutzen mit einer App oder Webseite schenken kannst so wie mein Freund Christian Müller, der mit seiner ägyptischen Frau und Kind um die Welt reist und arbeitet.

Oder “nur” ein paar Menschen denen du in der Freizeit etwas reparierst das sie lieben.

Oder „nur“ ein paar Menschen für die du mit deiner Firma ein hochwertiges Produkt entwickelst.

Oder denen du eine neue Fähigkeit lehren kannst, oder den Glauben an etwas Neues oder mehr noch – Glauben an sich selbst.

Jeder Mensch hat – ganz tief in sich selbst – einen Lebens-Traum, eine persönliche Mission, für die er auf die Welt gekommen ist.

Die gilt es zu entdecken. 

Gabriel_Melody_Barca

Gabriel und Melody vor der Barcelona Skyline

Eine wahre Geschichte des Leidens ..

Vor vielen vielen Jahren schickten mich meine Eltern zum Klavierspielen. Ich war knapp acht Jahre, und haßte das Klavierspielen. Viel lieber als zu üben, wollte ich draußen spielen. Meine Klavier-Lehrerin war genervt dass ich nicht genug übte. Und als es dann einen großen Eltern-Abend gab, bei dem alle Kinder vor Publikum vorspielen durften (oder mussten), gab sie mir dafür ein kurzes, aber unheimlich schweres Stück auf. Auf dem A4 Blatt waren so viele Noten, dass mir schwindlig wurde.

Es kam wie es kommen musste: ich übte erst im letzten Moment, und bekam es nicht mehr auf die Reihe.

An jenem Abend war der Saal gesteckt voll, und die Darbietungen der anderen Kinder waren alle fulminant. Dann war ich an der Reihe. Der schwarze Flügel auf der Bühne wurde größer und größer, als ich mich ihm näherte. Die Tasten vor mir erdrückten mich fast. Ich begann zaghaft zu spielen, und verspielte mich schon nach wenigen Takten. Ich begann von vorne. Diesmal kam ich etwas weiter, aber dann verspielte ich mich erneut. Ich konnte hören, wie der ganze Saal die Luft anhielt.
Ich hielt kurz inne und schaute gehetzt zu den Zusehern. Ich sah eine Mutter die mich voller Mitleid ansah.

Ich setzte fort und verspielte mich nochmals am Ende.

Trotz des nett gemeinten Applauses war es für mich eine einzige Katastrophe, von der ich mich nie wieder erholte. Ich senkte den Blick zu Boden um niemanden ansehen zu müssen und beendete das Klavierspielen nach diesem Abend – vermutlich war es das, was meine Lehrerin gewollt hatte. Gleichzeitig aber schwor ich mir, nie wieder ein Instrument zu spielen und mich auslachen zu lassen.

Und das war die wahre Katastrophe, denn in Wahrheit ist Musizieren ein wesentlicher Teil meines Lebens. Ich wußte es nur nicht. Es dauerte volle 30 Jahre, bis ich es mir erlaubte, diesen Part langsam ans Licht treten zu lassen – nachdem ich zum ersten Mal in Ägypten gelebt hatte. Ich fühlte langsam, wie sehr es mich drängte, eigene Lieder zu singen. Aber das war schwer ohne ein Begleit-Instrument. Klavier kam nun wirklich nicht in Frage. Ich fühlte mich zur Gitarre hingezogen, aber mit 38 Jahren noch lernen? Es schien mir furchtbar schwer. Deshalb verschob ich es lange.

Aber dann eines Sommers tat ich es doch: ich kaufte mir um 70 Euro eine Gitarre und nahm die ersten Stunden.

Alles weitere war ein einziger Flow: ich lernte blitzartig Akkorde, und schon wenige Monate später begann ich meine ersten Songs zu komponieren. 2 Jahre später waren es schon 20, und ich trat zum ersten Mal mit meinen Songs öffentlich auf.

 gabriel_singing

Ich würde dir jetzt gerne erzählen dass ich begabt und berühmt bin, aber leider stimmt beides nicht.

Es kamen immerhin 15 treue Freunde als Zuhörer. Der wahre Erfolg für mich aber war jener, dass ich meine Liebe zum Singen und Spielen endlich befreit hatte, und mich überwunden hatte allein öffentlich aufzutreten.

Immerhin habe ich im Laufe meiner Sänger “Karriere” ein paar Menschen mittlerweile eine solche Freude bereitet, dass ihnen die Tränen kamen.

Wer braucht da noch goldene Schallplatten?