Wann immer Du Dich in einem Konflikt mit einer anderen Person befindet, folge diesem einfachen Prozess um Deine Gefühle und Bedürfnisse ohne Anklage auszudrücken.

1. Genau Beobachten: Beschreibe die Situation möglichst genau aus einer Art Vogel- oder Kamera-Perspektive, ohne sie in irgendeiner Form zu bewerten. (zB: „Als du vorhin gesagt hast, ich soll mir keine Gedanken machen.“)
Mach keine Generalisierungen. Wenn wir Beobachtungen mit Bewertungen mischen, dann tendieren andere Personen sehr stark dazu, das Gesagte gänzlich abzulehnen.

2. Erzähl über das Gefühl das Du hattest, wieder ohne eine Bewertung daran zu knüpfen. (zB „habe ich mich klein / einsam / glücklich / etc. gefühlt“).
Verwechsele diese primären Gefühle nicht mit Gedanken (zB “Ich habe das Gefühl dass ich keinen fairen Deal bekommen habe”), oder von sekundären Gefühlen. Letztere werden als Gefühle benutzt, enthalten allerdings was wir über uns selbst denken (zB “ungenügend”, „nicht liebenswert“), oder glauben dass andere über uns denken (zB “unwichtig”), oder uns antun (zB “missverstanden”, “ignoriert”). Wenn wir unsere nackten Gefühle mitteilen, brauchen wir großen Mut und die Bereitschaft, verletzlich zu werden. Genau diese Verletzlichkeit wird vom anderen aber geschätzt. Das Teilen des Gefühls, selbst wenn es „negativ“ ist wie zB Traurigkeit oder Zorn wird als Geschenk angesehen, da es nicht mit einer Bewertung oder einem Angriff daher kommt.

3. Sag was Du eigentlich brauchst und wirklich willst. Unsere Bedürfnisse sind universell, und das Gegenüber wird sie respektieren. Unterscheide das reine Bedürfnis („Ich will gehört werden“) von Strategien wie man Bedürfnisse erreichen will. („Ich will dass Du mich respektierst ..“)

4. Bitte um etwas, ZB ein bestimmtes Verhalten, ohne es zu einem Befehl zu machen. Eine Bitte unterscheidet sich von einem Befehl dadurch, dass derjenige der die Bitte äußert, ein „nein“ akzeptieren kann ohne dass dies sofort einen Versuch auslöst, die Erfüllung des Wunsches zu erzwingen. Statt nach einem „Nein“ aufzugeben kann man versuchen sich einzufühlen, was die andere Person davon abhält den Wunsch zu erfüllen. Bitten sollten klar, konkret und positiv formuliert werden.

Dann warte auf die Antwort und wiederhole den Prozess.

Gewaltfreie oder Nonviolent Communication (NVC) ist ein von Marshall Rosenberg in den 1960ern erfundener Kommunikationsprozess, der oft als Konfliktlösungs-Modell benutzt wird. Er fokussiert auf drei wesentliche Aspekte: Selbst-Empathie (tiefes und mitfühlendes Bewusstsein der eigenen inneren Vorgänge), Empathie (anderen mit tiefem Mitgefühl zuhören), und ehrlicher Selbstausdruck (sich selbst so authentisch ausdrücken, dass dies Mitgefühl in anderen wecken kann).

NVC basiert auf der Idee, dass alle Menschen die Kapazität für Mitgefühl haben, und Gewalt in Taten und Sprache nur einsetzen, weil sie keine besseren Strategien haben um ihre Gefühle auszudrücken und Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. NVC geht davon aus dass Harmonie erreicht werden kann, wenn Menschen ihre eigenen Bedürfnisse und die von anderen klären können, sowie die die Gefühle rund um diese.

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