Setzt dich aufrecht an einen ruhigen Ort. Widme Gott die folgende Zeit und richte deine Aufmerksamkeit zum Beispiel auf die Mitte der Handflächen. Was immer an Gedanken und Bildern kommt, nimmt man mit dem Gefühl der freudigen Erwartung auf, lässt es aber sogleich wieder los und kehrt zur Wahrnehmung der Mitte der Handflächen zurück. Beim Jesusgebet wird diese Kontemplation erweitert, indem man in Gedanken den Namen Jesu (ausatmen) – Christi (einatmen) spricht, oder sein Bild visualisiert. Man bleibt absichtslos – muss nichts erreichen und nimmt sich mindestens 2 Stunden täglich Zeit. Entspannt sich, schaut einfach und versucht, die Gegenwart in all ihrer Vielfalt wahrzunehmen: Atem, Körper, Gerüche, Geräusche, Farben, Formen.

Üblicherweise treffen wir nach einer ersten ruhigen Phase bald auf den schwarzen Panzer, der unseren Geist umgibt. Unangenehme Gefühle mit Erinnerungen aus der Vergangenheit kommen hoch. Es ist gut, diese wahrzunehmen, tolerant und ergeben anzuschauen, bis wir sagen können: „Ja, sie sind halt da – sie dürfen auch weiter da sein“ Es darf kein Hauch von Ablehnung ihnen gegenüber da sein! Gefühle müssen parallel zur Wahrnehmung der Gegenwart dableiben dürfen.

Hintergrund & Wirkung

Kaum eine Übung fördert so sehr das spirituelle Wachstum des Menschen wie die absichtslose Wahrnehmung. Diese Übung fördert in hohem Masse die Konzentrationsfähigkeit. Es wird uns bewusst, wie sehr wir ständig von einem mächtigen Gedankenrauschen durchflutet und aus der Stille gerissen werden – Von Sorgen, Wünschen, Hoffnungen, und vielem mehr. Wir lernen dadurch, unsere Gedanken und Gefühle konzentriert und tiefreichend bei einer Sache halten zu können und erhöhen die Macht des Augenblicks. Meditation ist die Entwicklung von Wachheit und Aufmerksamkeit.

Wenn man sich der Kontemplation nähert, versteht man, dass man da sein darf, ohne sich ändern zu müssen.

Wenn wir meditieren ist es vorteilhaft, eine Bereitschaft zum Leiden zu entwickeln: Jedes Leid anzunehmen im Bewusstsein, dass es uns zu unserer Läuterung geschenkt ist, damit wir näher zum Wesentlichen kommen. Bevor das helle „Ja“ aus dem Kern kommt, müssen wir zuerst das dunkle „Nein“ in uns anschauen. Wie man aus einer Straßenbahn zuerst die Fahrgäste aussteigen lässt, ehe man selbst einsteigen kann. Schauen wir unser „Nein“ absichtslos an und sehen wir zu, was kommt – dann kommt das „Ja“ von alleine. Schmerzen sind wie eine Wunde. Wir widmen ihr alle nötige Aufmerksamkeit. Wir waschen, desinfizieren und verbinden sie. Aber dann können wir wieder an die Arbeit gehen und die Heilung Gott überlassen. Sie wird noch etwas schmerzen, aber wir brauchen uns nicht mehr mit ihr zu beschäftigen. Sie heilt von selbst. Ebenso ist es mit unseren geistigen Wunden. Wenn wir sie einmal ehrlich und urteilslos angeschaut haben, heilen sie von selbst. Wenn wir in der Gegenwart und beim Wahrnehmen bleiben, kommt Heilung von selbst zu uns. So kannst du immer rasch beurteilen, ob du richtig bei der Sache bist: Frage dich, ob du bei deinem höchsten Selbst oder bei deinem Ego mit seinen Problemen, Wünschen, Gedanken und Gefühlen bist.

Pater Franz Jalics hat ein ausgezeichnetes Lehrbuch zum Thema kontemplative Meditation geschrieben. Aus diesem Buch stammen auch die meisten Gedanken zu dieser Übung.

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