1. Schließe Deine Augen und sage zu Dir selber: „Ich frage mich, was mein nächster Gedanke sein wird“. Sei dann sehr wachsam und warte wie eine Katze vor dem Mausloch auf den nächsten Gedanken. Welcher Gedanke wird als erster kommen? Versuche es Jetzt.

2. Benutze Deine Sinne. Sei völlig da, wo du gerade bist. Schau dich um, aber interpretiere nicht. Sieh das Licht, sieh Konturen, Farben, Materialien. Sei dir der stillen Gegenwart aller Dinge bewusst. Sei dir des Raumes bewusst, der es allem ermöglicht, hier zu sein. Höre die Geräusche, aber beurteile sie nicht. Höre die Stille, die die Geräusche umgibt. Berühre etwas – irgendetwas – und fühle und bestätige sein Dasein. Beobachte den Rhythmus des Atems; fühle die Luft ein und ausströmen, fühle die Lebensenergie in deinem Körper. Erlaube allem zu sein, innen und außen. Erlaube das „So-Sein“ aller Dinge. Verschmelze mit dem Energiefeld, bis die Getrenntheit zwischen dir und deinem Körper zu einer Einheit verschmilzt. Bewege dich tief ins Jetzt hinein.

3. Beobachte dich. Mache es dir zur Gewohnheit, deinen geistig-emotionalen Zustand zu beobachten. „Bin ich im Moment entspannt?“ ist eine gute Frage, die du dir gelegentlich selbst stellen kannst. Oder: „Was geht gerade in mir vor?“, „Was denkt sich in mir?“. Gib dem was Innen ist genau so viel Aufmerksamkeit wie dem Außen. Wenn das Innen stimmig ist, ist auch das Außen stimmig.

4. Bewohne deinen Körper intensiv. Egal was du tust, richte immer einen Teil deiner Aufmerksamkeit auf dein inneres Energiefeld. Spüre sozusagen den Körper von innen. Das Körperbewusstsein hält dich in der Gegenwart.

(Quelle: Eckhart Tolle: Jetzt!)

5. Atme in die Handflächen. Setze Dich bequem und mit aufrechtem Oberkörper hin und beobachte zuerst deinen Atem. Lass die aufsteigenden Gedanken dahinziehen und kehre immer wieder zum Atem und zur inneren Stille zurück.

Variationen: Dann kannst du ein gedankliches „Ja!“ beim Einatmen in die Handflächen fliessen lassen, beim ausatmen bleibst du still. Beim Christusgebet lässt du beim Einatmen ein „Christus“ in die Mitte der Handflächen fliessen, beim Ausatmen ein „Jesus“ ausfliessen.

(Nach Franz Jalics: Kontemplative Exerzitien)

6. Alles was ich tu: Richte deine gesamte Aufmerksamkeit auf das, was du gerade tust, sei es kochen, dich waschen, schreiben, lesen, sprechen, Schuhe zubinden, in Stille sein. Wenn Gedanken kommen, bemerke es und wende dich einfach wieder dem Augenblick zu und dem, was du gerade tust.

Hintergrund und Wirkung:

Unser Bewusstsein befindet sich so lange in Wachsamkeit und Gegenwart, bis die Gedanken des Verstandes kommen und die innere Stille durch den inneren Monolog ablösen. Dieser Monolog entführt uns ständig in Vergangenheit und Zukunft, und wir sind nicht mehr gegenwärtig – solange bis es uns auffällt. Die Steigerung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment hebt unser Bewusstsein auf einen Level, wo es diese Störung bemerkt. Immer öfter und öfter.

Wenn wir die abstumpfende Welt geistiger Abstraktion und Zeit hinter uns lassen; wenn wir den kranken Verstand verlassen, der uns langsam die Lebensenergie entzieht und unsere Erde vergiftet, dann erwachen wir aus dem Traum der Zeit in die Gegenwart hinein.

(Nach Eckhart Tolle)

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