Der griechische Philosoph Plotin wurde 205 in Lykopolis in Ägypten geboren. Er ging in Alexandria zur Schule und lernte dort alle wesentlichen religiösen und philosophischen Richtungen – ohne zu finden, wonach er suchte.

Erst durch die Bekanntschaft mit dem auf der Straße lebenden Mystiker Ammonius Sakkas fand er zum inneren Licht. Nach dessen Tod 242 begleitete er den römischen Kaiser Geordianus III. auf dessen Feldzug gegen Perser und Inder. Nach der Ermordung des Kaiser wandte Plotin sich nach Antiochia und Rom, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Obwohl Plotin kein Christ war, beeinflusste seine Mystik die ersten Kirchenväter wie Gregor, Hironymus und Eusebios entscheidend – vor allem aber Augustinus.

Es wird berichtet, dass Plotin beim Sprechen von göttlicher Begeisterung erfasst und bisweilen durch helles Licht um seinen Kopf verklärt wurde.

„Wer den Weg der Vollendung betreten will, tue von sich alles, was er beim Abstieg in die Vergänglichkeit angenommen hat. Wenn er alles beiseite lässt, was nicht von Gott ist, wird er in der Abgeschiedenheit seines Ich zu dem gelangen, von dem alles ausgeht und zu dem alles zurückkehrt: zum Quell des Lichts, des Lebens und des Seins.

Das ist keine Reise, die man zu Fuss, zu Schiff oder mit dem Wagen machen kann; denn der Weg führt nach innen: schliesse deine Körperaugen, und öffne die Augen der Seele und sieh, in dich selbst versunken, dich an. Wenn du dich noch nicht göttlich schön findest, so tue was der Künstler tut, wenn er eine schöne Statue schaffen will: meissle und schneide weg, was hässlich ist, schäle die Umrisse reiner heraus, gib dir Mühe, so schön und licht wie möglich zu werden. Höre nicht auf an dir zu arbeiten, bis ein strahlend schönes Bild entstanden ist, bis aus dem innersten deines Wesens der göttliche Reichtum strahlt. Wenn du dieses vollkommene Werk geworden bist, kann dich nichts mehr an der Einswerdung mit dem Göttlichen hindern.“

Plotin verweist immer wieder auf den Weg der Kontemplation, der stillen Gottschau. Ihr Ziel, die Erleuchtung, könne jedoch nicht erzwungen werden. Wir können lediglich die Voraussetzungen dafür schaffen. Ihr Kommen aber ist ein Geschenk von oben. Und dennoch:

„In Wahrheit ist der Höchste uns aber immer nahe, strahlend. Wenn wir zu ihm erwachen, erkennen wir es, werden plötzlich emporgerissen und auf den Kamm der Woge des Geistes gehoben.“

Mit Materialien aus K.O. Schmidt: „In Dir ist das Licht“

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