Setzt oder stellt euch Auge in Auge gegenüber. Nun beginnt einer, seine negativen Werturteile über sich selbst aufzuzählen, ZB: Ich bin einer, der …

  • andere Menschen ständig beurteilt und verurteilt, damit ich sie schlecht mache und ich mich besser fühle, weil ich mich doch in Wahrheit sehr wertlos fühle.
  • In allem perfekt sein will, damit ihn die Menschen bewundern und den verlorenen Wert bestätigen.
  • Interesse für andere Menschen heuchelt, damit die anderen eine gute Meinung bekommen und mir den verlorenen Wert zurückgeben.
  • unantastbar ist, weil er vorgibt nie zu leiden, wobei er in Wahrheit viel leidet.
  • sich Menschen anzieht, die sich voll Leid und Hoffnungslosigkeit fühlen. Damit er ihnen helfen kann und so Wert empfindet, der die eigene Wertlosigkeit überwindet.
  • sich Menschen anzieht, die mir sagen, was zu tun ist und wo’s langgeht, damit ich mich nicht um mich selbst zu kümmern brauche. Die mich zum Opfer machen, damit ich mich aus meiner Verantwortung stehlen kann.
  • Menschen verurteilt, die oberflächlich leben, weil ich selbst mit all meiner Sucherei oberflächlich geworden bin und mir nichts mehr nahe geht.
  • Angst vor dem Unbekannten hat, weil er sich für unbedeutend und eine Belastung hält.

Variante: Der andere antwortet auf jeden Satz mit: „Ich bin Dein Spiegel“

Am Ende könnt ihr Gott um Verwandlung bitten, oder eine weitere Runde einlegen, in der ihr euch sagt, was ihr am anderen mögt. Auch darauf antwortet der andere mit: „Ich bin Dein Spiegel“.

Hintergrund und Wirkung:

Das Ritual der Beichte in der katholischen Kirche ist vollkommen zu unrecht ganz aus der Mode gekommen. Sein ursprünglicher Sinn bestand nicht darin, objektiv bewertbare Sünden durch Absolution eines auserwählten Priesters getilgt zu bekommen, ähnlich wie man ein dreckiges Auto reinwäscht, oder eine Polizeistrafe bezahlen muss. Im Gegenteil! Sinn der Beichte ist es, innerhalb eines sicheren, liebevollen Raumes alle Gedankenmuster erkennen zu können, die uns davon abhalten, ganz wir selbst zu sein. Dadurch, dass wir über unsere Gedanken und Taten sprechen, und sie freimütig einbekennen, beginnen wir, uns selbst anzunehmen. Alle negativen Taten gehen letztlich auf unsere negativen, meist unbewussten Gedanken zurück, und diese auf das Fehlverhalten von Generationen über Generationen vor uns. Wir glauben gewöhnlich, dass wir im Grunde sehr gute Menschen seien, und nur wenige unserer Taten böse seien. Viele Menschen verdrängen ihre Fehler und sind nicht in der Lage, auch nur ein Fehlverhalten einzugestehen. Könnten wir tief genug blicken, würden wir sehen, dass die Sünde bereits in unseren Gedanken beginnt, und dass wir uns selbst und andere täglich auf Dutzende, wenn nicht Hunderte Arten betrügen. Dann könnten wir auch sehen, dass tief in uns die schlimmsten negativen Urteile über uns selbst verborgen sind. Das Aussprechen dieser Urteile und der resultierenden Gedanken und Taten aber führt dazu, dass wir uns als Sünder annehmen. Indem wir mit jemand anderem darüber sprechen, demonstrieren wir: „Ich bin mir wichtig genug, über meine Fehler zu reden. du bist mir wichtig genug, von meinem Innersten zu erfahren.“ Gemeinsam demonstrieren wir: Wir sind beide Sünder. Wir haben erkannt, dass wir uns auf tausend Arten betrügen. Wir wollen uns zu unserem göttlichen Funken bekennen. Wir wollen all diese alte Schuld Gott anvertrauen, und darauf vertrauen, dass er sie in uns verwandelt. Unter diesem Vorzeichen kann auch das ehrliche Gespräch mit einem guten Freund, in dem man diesem alle Gefühle anvertraut, eine heilige Beichte sein.

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